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Reisebericht Winter 2008/2009

Bilder zum Text:

 

Mein letzter Aufenthalt in Nepal über Weihnachten und Neujahr 2008 / 2009 bot wieder einige Herausforderungen. Er stand vor allem im Zeichen der Belehrungen und Einweihungen von Lama Zopa Rinpoche, dem Begründer des Klosters Kopan. –Lama Zopa Rinpoche ist das Oberhaupt der weltweit verbreiteten Organisation FPMT (Foundation for the Preservation of Mahayana Buddhism) und ist praktisch ständig unterwegs. Nun hatten wir besonderes Glück und er war eine gute Woche in seinem Stammkloster anwesend. Es war eine außergewöhnliche Gelegenheit, diesem einzigartigen Lehrer, Heiler und Seher aus nächster Nähe zu begegnen! Wie viele außergewöhnliche Menschen pflegt Rinpoche – der nie schläft - einen sehr eigenwilligen Umgang mit der Zeit und man wusste nie, ob und wann er zu den Belehrungen erscheinen würde. Dafür zogen sich Einweihungen bis tief in die Nacht hinein und am nächsten Morgen hieß es wieder antreten, um sich nichts entgehen zu lassen. Das wirkte sich natürlich auf die Betreuungsarbeit unserer Patenkinder aus, denn das ganze Kloster, einschließlich unserer Oberin Ani Jangsem, war ständig auf Abruf und man konnte langfristig keine Termine planen.

 

Hinzu kam die Behinderung unserer  Arbeit durch die Schulferien. Einige Kinder waren bereits für ein paar Wochen zu ihren Eltern in die weit entlegenen Heimatdörfer zurückgekehrt und wir konnten sie nicht persönlich erreichen. Wir mussten das Geld bei den Bezugspersonen in Kathmandu hinterlegen. Ich bitte deshalb um Nachsicht, wenn der ein- oder andere Dankesbrief auf der Strecke geblieben ist oder ein Foto fehlt!

 

Erschwerend bei unserer Arbeit wirkte sich auch die massive Beschränkung der Stromversorgung in Kathmandu aus. Die Menschen müssen 10 Stunden am Tag ohne Elektrizität auskommen und man vermutet, dass es künftig sogar 12 Stunden sein werden. Wenn es kein Licht gibt, funktionieren aber auch die Handy-verbindungen nicht und das Laden der Akkus wird zum Problem, wenn man sich nicht zur gegebenen Zeit in der Nähe einer Steckdose befindet. Viele Verabredungen platzen, weil die kurzfristige Verständigung nicht möglich ist. Es ist eine groteske Situation, dass es inzwischen in Nepal jede Menge Mobiltelefone, PCs, ja selbst Staubsauger und Waschmaschinen gibt, diese Geräte jedoch nur sehr begrenzt in Betrieb genommen werden können. Glücklich, wer einen starken Generator besitzt! Doch wenn es sich um ein etwas lädiertes Secondhand Exemplar handelt wie in Nunnery, sitzt man so manchen Abend im Dunklen und kann auch den Wasserkocher nicht benützen, den man für die ersehnte heiße Abenddusche benötigt. Zum Glück sind die mollig waren Bettdecken vom Strom unabhängig! – Da sich der berühmte traditionelle „Novemberkurs“, eine vierwöchige Einführung in den Buddhismus, dieses Mal weit in den Dezember zog, wurde ich im Nunnery untergebracht, denn die Gästezimmer im „oberen Kloster“ waren hoffnungslos ausgebucht. Dafür kümmerte sich Ani Kundrol, die Küchenchefin des Nunnery, rührend um unser leibliches Wohl. - Wir waren zu viert, meine Freundin und Kollegin Elfriede, Sabine und Ullrich waren  mit von der Partie.

 

Elfriede wollte eigentlich nach Lukla im Solokhumbu-Gebiet fliegen, um dort die Nonnen des Khariklosters in Thame zu besuchen. Sie war bereit, sich Nachttemperaturen von -20°C (ohne Heizung) auszusetzen, doch das Schicksal bewahrte sie vor diesen Strapazen. Nachdem sie 2 lange Vormittage auf dem Flughafen verbracht hatte, gab sie auf. Morgens gab es in Kathmandu Nebel, so dass das Flugzeug nicht starten konnte und als es aufklarte fielen in Lukla die Wolken ein und vereitelten dadurch eine sichere Landung.

 

Wegen der ungünstigen Flugbedingungen kam Geshe Dagyal eun paar Tage später von der Khari Gompa zurück,als ursprünglich geplant war. Er hatte drei Monate die Nonnen des Khari Nunnery in buddhistischer Philosophie unterrichtet. Er brachte Fotos mit, die zeigen, wie hart diese Frauen für den Bau ihres Klosters gearbeitet haben: Steine schleppen, Zement rühren und Holz bearbeiten. In der Freizeit lernen sie mit Feuereifer. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, führen sie zudem Rituale für die lokale Bevölkerung durch. Denn das Kloster kann nur noch bis Februar die Hauptmahlzeiten stellen, weiter reicht das Budget nicht mehr. – Es sei denn, wir finden Spender. – Der Bau des Klosters ist erfreulich weit fortgeschritten. Die Außendekoration, von Khari Rinpoche selbst entworfen, strahlt zum Teil schon in leuchtenden Farben und bald werden die obligaten „Gunrizas“ den Giebel zieren, die dank großzügiger Spenden aus unserem Dakinikreis in Auftrag gegeben werden konnten.

 

Der Klosterneubau im Kopan Nunnery macht weiter Fortschritte, auch wenn sie nicht mehr so ins Auge fallen. Es geht jetzt um die Innenraumausgestaltung. Khenrinpoche Lama Lhundrup ist bereits beim nächsten Projekt: Es werden 100 neue Schlafräume für die Nonnen, eine neue Küche und ein ausreichend großer Speisesaal benötigt. Pro Doppelzimmer muss man insgesamt  mit einem finanziellen Aufwand von € 3.000,- rechnen. - Wer also für die Behausung von ein oder zwei Nonnen aufkommen möchte, kann sich da gerne einklinken.

 

Die Kopan-Nonnen werden diesen Herbst wieder auf eine Tournee durch Deutschland und Holland gehen, um Geld für dieses Projekt zu sammeln. Den Tourneeplan werde ich im Laufe des Frühjahrs bekannt geben.

 

Für alle, die sich durch ihren Beitrag an der Winterdebatte der Kopan Nonnen beteiligt haben, gibt es eine erfreuliche Nachricht: Unsere Nonnen haben den dritten Platz belegt, obschon sie ihr Studium erst Jahre später als manches Nunnery in Indien beginnen konnten. Freude und Stolz standen den jungen Frauen ins Gesicht geschrieben, wenn sie von ihrem Erfolg berichteten.

 

Und hier noch eine erfreuliche Neuigkeit: Die Nonnen aus Tibet sind zurück gekehrt! Es war gefährlich und mit großen Strapazen verbunden und Ani Thubten Tenzin konnte ihre Schwester nicht wie geplant mitbringen. Vier lange Tage ohne jegliche Nahrung marschierten die jungen Frauen nachts durch Eis und Schnee und versteckten sich tagsüber vor der chinesischen Grenzpolizei. Erschöpft, aber unendlich erleichtert kam sie dann endlich in Nepal an.

 

Die Grenze zwischen China und Nepal ist inzwischen wieder passierbar, wenn die geschilderten Bedingungen in Kauf genommen werden. Es kommen wöchentlich zwischen 15 und 20 tibetische Flüchtlinge im Tibetan Reception Center (TRC) an. Zur Zeit befinden sich dort 54 Menschen. Die Neuankömmlinge können nach etwa zwei Wochen mit dem Bus nach Indien weiterreisen. Die indische Regierung stellt die Reisedokumente ohne große Verzögerung aus. – Bis vor zwei Jahren waren zu dieser Jahreszeit immer weit über 1 000 Flüchtlinge im TRC!

 

Zwei markante Ereignisse meiner Reise möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Auf meinem Flug nach Kathmandu wurden mir durch einen Trick 2.700,-€ aus meinem Handgepäck entwendet. - Ein Freund hatte mich gebeten, diesen Betrag für ihn mitzunehmen. – Ich fand den Rest einer € 100,- Banknote  und einen Teil des zerfetzten Kuverts, in dem sich das Geld befunden hatte, in meinem Köfferchen. Das Bargeld für unsere Patenkinder blieb zum Glück unangetastet. - Ich möchte Sie trotzdem bitten, mir künftig kein Bargeld mehr mitzugeben, sondern alle Gelder über das Dakini-Konto laufen zu lassen.

 

Die zweite große Herausforderung war Elfriedes Verlust ihres Reisepasses am Silvesterabend. Wir hatten gerade noch einen Tag, nämlich Freutag den 2.1., um ein Reisedokument für sie zu besorgen.  Dank Ani Jangsems und Jigtols Einsatz und den entsprechenden Beziehungen hatte Elfriede nach acht Stunden Bangen den Ersatz-Paß mit Visum in ihren Händen. Wir konnten also am darauf folgenden Montag wie geplant ausreisen.

 

Bereits am Wochenende vor unserer Abreise begann im gesamten Kloster der große Exodus. Etwa zwei Drittel der Mönche und Nonnen machte sich auf den Weg nach Varanassi, Indien. Dort sollte S.H. der Dalai Lama Belehrungen geben und sowohl für Ordinierte wie für Laien ist es ein Herzensanliegen, die Nähe Seiner Heiligkeit zu suchen und seinen Segen zu erhalten. Einige unserer Dakini-Schützlinge begaben sich so frühzeitig auf Reisen, dass wir keine Chance hatten, sie rechtzeitig zu erreichen.

 

Das Geld für Notfälle bzw. freie Spenden konnten wir dieses Mal unter den nepalesischen Mitarbeiter im Kloster verteilen, die für die Beschulung ihrer Kinder noch kleine Paten haben. Indem wir sie in unsere Dakini-Aktivitäten einbeziehen versuchen wir dazu beizutragen, die Kluft zwischen den Tibetern und Nepalesen zu überbrücken, denn es gibt da viel Neid, v.a. auch wenn es um die tibetischen Exilklöster geht. Auch die Verarztung eines schwer verletzten Hundes konnte mit den frei verfügbaren Geldmitteln bestritten werden. – Leider hat Nena (die Hündin) trotzdem nicht überlebt. Sie wurde aber mit liebevoller spiritueller Unterstützung durch den Sterbeprozess begleitet.

 

Meine nächste Nepalreise ist für den 5.4. (Palmsonntag) anberaumt. Bitte schicken Sie die Post für Ihre Patenkinder bereits zwei Wochen früher und die Geldüberweisungen (falls Taschengeld oder sonstige Sonderzahlungen getätigt werden sollen) bis spätestens Mitte März, damit unsere Abrechnung und die Geldüberweisung nach Nepal  rechtzeitig abgewickelt werden können.

 

Ich möchte Ihnen, liebe Dakini-Freunde, für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse an unserer Arbeit danken und Ihnen für das neue Jahr von Herzen viel Glück und Segen wünschen, mögen Friede, Wohlergehen und Freude unser aller Leben auf diesem Planeten bestimmen und mögen wir einander Mut machen auf dem Weg in diese Richtung

 

Ihre

 

Eva Anderson

 
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