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Osterbericht 2009

Mein Osterbesuch in Nepal war überschattet vom Tod des Hüters der Chenresig Gompa, Kunchen la, einem Mann mit viel Herzenswärme und Humor, der in einer überzeugenden Weise das buddhistische Geistestraining in die Praxis umzusetzen verstand. Sein Magen-krebs wurde im Februar entdeckt und operiert, aber es war zu spät. Sein Körper war bereits mit Metastasen (Tochtergeschwüren) durchsetzt und die in seiner Lunge verkapselten Tuberkelbazillen sahen ihre Zeit gekommen, auszubrechen und sich zügellos zu vermehren. Am Ostersonntag wurde Kunchen la durch einen sanften Tod von seiner Schmerzen erlöst. Mönche und Nonnen begleiteten ihn mit tagelangen Gebeten und Ritualen in die andere Welt (den Bardo).

 

Die Tuberkulose schlägt auch im Nunnery gnadenlos zu. Vier von 380 Nonnen wurden im letzten Jahr als neu infizierte Fälle diagnostiziert. Thupten Choekyis Lymphsystem wurde von den Tuberkelbazillen total überschwemmt, so dass ihr Hals beängstigend anschwoll. Über dem Schlüsselbein entwickelte sich ein fulminanter Abszess, den sie mit der Rasier-klinge zu öffnen versuchte! Bei einer anderen Nonnen wurde nach der Behandlung  der Lungentuberkulose eine schwere Hepatitis festgestellt. Zu all dem steht bei der 20-jährigen Ani (= Nonne) Lobsang Dolmey die Entfernung eines Hirntumors an, der zwar gutartig ist, aber den Abfluss des Gehirnwassers blockiert. Sie leidet unter unerträglichen Kopfschmerzen, hat aber panische Angst vor einer Operation. Auch Geshe la Jampa, einer der ersten Philosophielehrer der Nonnen, müsste sich operieren lassen. In seinem Magen wächst ein bösartiger Tumor. Wenn er nicht entfernt wird, bildet er Metastasen.- Das Budget des Klosters wird durch diese Krankheitsfälle schwer belastet. Wenn Sie helfen möchten, haben Sie die Möglichkeit, dem „Gesundheits-Fond“ eine Spende zukommen zu lassen.

 

Es gab aber auch Schönes bei meinem Aufenthalt. Mein Mann Wilhelm und ich begleiteten unseren Klinik-Chef, den Mönch Sangye Tenzin, und die beiden Kinder seines Bruders nach Tatopani, wo seine Familie lebt. – Tatopani an der Grenze zu Tibet, wo die berühmte „Friendship - Bridge“ Nepal mit dem überwältigenden Nachbarstaat China verbindet. Im Dorf konnten wir über eine Hängebrücke den Fluss überqueren, um zur Mühle der Familie am anderen Ufer zu gelangen. Von dort aus sahen wir Tibet unmittelbar vor unseren Augen, am Hang gegenüber. Die Grenze ist in diesem Bereich nicht befestigt, deshalb konnten bislang viele tibetische Flüchtlinge auf diesem Weg nach Nepal gelangen. Das ganze Gebiet ist jedoch jetzt in den Händen der Chinesen und die Bewohner stehen gewaltig unter Druck. Das erlebten wir sehr eindrucksvoll, als wir uns der „Friendship-Bridge“ nähern wollten. Wir gingen durch ein hohes Gittertor vorbei an nepalesischen Grenzposten und dem „Immigration Office“. Da wurden wir umgehend aufgehalten und ins Büro gebeten. Mönchen, Nonnen und Journalisten sei der Zutritt zu diesem Gelände verboten und Touristen dürften auf keinen Fall fotografieren. Ein paar Schritte weiter kam ein kleiner alter Tibeter / Nepalese in Zivilkleidung auf uns zu und bat uns in einem bestimmten Ton, der keine Widerrede duldete, umzukehren. In seiner Stimme schwang im Unterton gewaltige Angst, wie bei jemanden, der gegen seine Überzeugung handeln muss. Wir waren mit zwei Mönchen unterwegs, also verstanden wir seine Not und drehten gehorsam um. Von einem Stück Mauer aus, einer Befestigung des steilen Flussufers, konnten wir auf der  gegenüber-liegenden Seite große Bauten – wohl für das chinesische Militär und die Bürokratie – sehen. Von dort aus wird die nepalesische Seite kontrolliert und infiltriert, so dass tibetische Flüchtlinge kein Chance mehr haben, über diesen Weg in die Freiheit zu entkommen.

 

Ein starkes sinnliches Erlebnis in Tatopani (zu deutsch „heißes Wasser“) war das Bad in den heißen Quellen, die hier aus der Erde kommen. In der Badeanstalt herrscht Volksfest-stimmung und wir mieteten uns eine Wanne in einer Kabine, um uns nicht in der drängelnden Menge einen Platz unter der Dusche erobern zu müssen. Das Wasser (ca. 50°C) fühlte sich kochend heiß an und es bedurfte einiger Überwindung, einzutauchen. Wir ließen uns ein Weilchen garen und motivierten uns mit der Vorstellung, dass es sicher sehr gesund sei. Mit einem befriedigendem Gefühl (weil wir so tapfer waren) und ziemlich erschöpft schliefen wir dann im Hotel in unseren Betten ein.

 

Ein zweiter lohnenswerter Ausflug führte uns auf einen bewaldeten Berggipfel gegenüber von Suyambunath. Dort befindet sich die Höhle des berühmten indischen Gelehrten Nagarjuna, der auf seinem Weg nach Tibet hier vorbei gekommen sein soll. Unser bewährter Fahrer Dhakal mit seinem bequemen, gut gefederten Kleinbus chauffierte uns eine gute Stunde lang über Stock und Stein auf unbefestigten Waldwegen an steilen Abhängen entlang zum Ziel. Von dort hat man einen wunderschönen Ausblick auf Kathmandu und bei klarer Sicht auf den Himalaya. Wir umrundeten den Stupa, besuchten die Höhle und Ani la Jangsem, unsere Oberin, brachte Gebetsfahnen zum Segen der Dakinis und ihrer Schützlinge an.

 

Auf der Fahrt nach Nagarjun kam Shristi, Dhakals 18 jährige Tochter mit. Sie hat gerade die 12. Klasse mit dem SLC (School Finishing Certificate)  abgeschlossen und wartet auf das Resultat, um sich an einem College zu bewerben. Sie und ihre Schwester Sujita, die an der Universität Wirtschaft studiert, wünschen sich ein Notebook, weil sie zuhause keinen PC haben. – Vielleicht kann jemand aus dem Dakini-Kreis weiterhelfen!

 

Hier möchte ich mich gleich selbst mit einer Bitte anschließen: Ich hatte dieses Mal meine Kamera vergessen und musste deshalb recht mühevoll die Fotos für die Paten beschaffen. Es wäre mir sehr geholfen, wenn Sie eine Zweitkamera zum Verschenken hätten, dann könnte ich sie in Nepal deponieren bzw. während meiner Abwesenheit einer Nonne zur Verfügung stellen.

 

Nun zur Situation im Tibetischen Reception Center (TRC): Die Anfahrt wird etwa 100m vor dem Eingang durch ein Gittertor potentiell abgeschirmt. Mit ca. 30 Erwachsenen und 6 Kindern wirkt das Gelände wie ausgestorben. Es kommen etwa 2 Flüchtlinge in der Woche an und man weiß nie, ob es sich nicht um Spione handelt. Das Ausstellen von Reisedokumenten im Immigration Office und der Bustransport nach Indien gehen z.Zt. problemlos über die Bühne. – Die Zukunft des TRC sieht jedoch düster aus. Die chinesische Regierung drängt auf die Schließung. Die Flucht der Tibeter ist ja ein Beweis, dass die propagierte Einhaltung der Menschenrechte in China nicht mehr als eine Farce, ein Täuschungsversuch der Weltöffentlichkeit ist. Dieser Makel soll getilgt werden, die tibetischen Flüchtlinge sollen als Kriminelle abgetan werden, die ihr Land widerrechtlich verlassen haben. Die Maoisten in Nepal gehen mit dieser Haltung Chinas konform. Es gibt allerdings auch starke Gegenkräfte, nämlich das Militär und die demokratischen Parteien (die allerdings unter einander zerstritten sind). Die konservativen Kräfte und Indien bauen den „Babyking“ (den Enkel des letzten regierenden Königs) als Alternative auf und die Bürokratie (in den unteren Chargen) versucht durch Verknappung von Wasser-, Strom- und Benzin-/Kerosinversorgung den Beweis zu erbringen, dass die Regierung unter der Führung der Maoisten unfähig ist, die Probleme des  Landes in Griff zu bekommen.

 

Was den Klöstern droht, wenn die Maoisten im Land das Sagen haben, wurde im Kloster Kopan im März d.J. deutlich. Soldaten belagerten für mehrere Tage das Klostergelände und Mönche, die sich vor einem Jahr an Demonstrationen gegen die chinesische Regierung beteiligt hatten, wurden aufgegriffen und ins Gefängnis gebracht. Jigtol, einem nepalesischen Mönch und gewieften Politiker mit einigem Einfluss, gelang es, sie frei zu bekommen.

 

Die jungen Tibeter geben jedoch nicht auf. Sie gründen Initiativen zur Unterstützung der politischen Ziele der Tibeter in Nepal („Pod Rig Punda“, www.podrigpunda.com ) und soziale Projekte, um die vielen arbeitslosen Tibeter aufzufangen, die nach ihrer Ausbildung in Indien zurück kommen, weil sie dort keine Chance auf eine berufliche Zukunft haben ( „Café dreamfactory“, www.cafedreamfactory.com).

Eines der Ziele unsere Dakini-Arbeit ist es, den Menschen in Nepal zu ermöglich, vor Ort ein besseres Leben aufzubauen und ein friedliches Zusammenleben der Tibeter und Nepalesen

zu fördern. Bitte unterstützen Sie uns!

 
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