Reisebericht Nepal Winter 2008/2009
Mein letzter Aufenthalt in Nepal über Weihnachten und Neujahr 2008 / 2009 bot wieder einige Herausforderungen. Er stand vor allem im Zeichen der Belehrungen und Einweihungen von Lama Zopa Rinpoche, dem Begründer des Klosters Kopan. –Lama Zopa Rinpoche ist das Oberhaupt der weltweit verbreiteten Organisation FPMT (Foundation for the Preservation of Mahayana Buddhism) und ist praktisch ständig unterwegs. Nun hatten wir besonderes Glück und er war eine gute Woche in seinem Stammkloster anwesend. Es war eine außergewöhnliche Gelegenheit, diesem einzigartigen Lehrer, Heiler und Seher aus nächster Nähe zu begegnen! Wie viele außergewöhnliche Menschen pflegt Rinpoche – der nie schläft - einen sehr eigenwilligen Umgang mit der Zeit und man wusste nie, ob und wann er zu den Belehrungen erscheinen würde. Dafür zogen sich Einweihungen bis tief in die Nacht hinein und am nächsten Morgen hieß es wieder antreten, um sich nichts entgehen zu lassen. Das wirkte sich natürlich auf die Betreuungsarbeit unserer Patenkinder aus, denn das ganze Kloster, einschließlich unserer Oberin Ani Jangsem, war ständig auf Abruf und man konnte langfristig keine Termine planen.
Hinzu kam die Behinderung unserer Arbeit durch die Schulferien. Einige Kinder waren bereits für ein paar Wochen zu ihren Eltern in die weit entlegenen Heimatdörfer zurückgekehrt und wir konnten sie nicht persönlich erreichen. Wir mussten das Geld bei den Bezugspersonen in Kathmandu hinterlegen. Ich bitte deshalb um Nachsicht, wenn der ein- oder andere Dankesbrief auf der Strecke geblieben ist oder ein Foto fehlt!
Erschwerend bei unserer Arbeit wirkte sich auch die massive Beschränkung der Stromversorgung in Kathmandu aus. Die Menschen müssen 10 Stunden am Tag ohne Elektrizität auskommen und man vermutet, dass es künftig sogar 12 Stunden sein werden. Wenn es kein Licht gibt, funktionieren aber auch die Handy-verbindungen nicht und das Laden der Akkus wird zum Problem, wenn man sich nicht zur gegebenen Zeit in der Nähe einer Steckdose befindet. Viele Verabredungen platzen, weil die kurzfristige Verständigung nicht möglich ist. Es ist eine groteske Situation, dass es inzwischen in Nepal jede Menge Mobiltelefone, PCs, ja selbst Staubsauger und Waschmaschinen gibt, diese Geräte jedoch nur sehr begrenzt in Betrieb genommen werden können. Glücklich, wer einen starken Generator besitzt! Doch wenn es sich um ein etwas lädiertes Secondhand Exemplar handelt wie in Nunnery, sitzt man so manchen Abend im Dunklen und kann auch den Wasserkocher nicht benützen, den man für die ersehnte heiße Abenddusche benötigt. Zum Glück sind die mollig waren Bettdecken vom Strom unabhängig! – Da sich der berühmte traditionelle „Novemberkurs“, eine vierwöchige Einführung in den Buddhismus, dieses Mal weit in den Dezember zog, wurde ich im Nunnery untergebracht, denn die Gästezimmer im „oberen Kloster“ waren hoffnungslos ausgebucht. Dafür kümmerte sich Ani Kundrol, die Küchenchefin des Nunnery, rührend um unser leibliches Wohl. - Wir waren zu viert, meine Freundin und Kollegin Elfriede, Sabine und Ullrich waren mit von der Partie.
Elfriede wollte eigentlich nach Lukla im Solokhumbu-Gebiet fliegen, um dort die Nonnen des Khariklosters in Thame zu besuchen. Sie war bereit, sich Nachttemperaturen von -20°C (ohne Heizung) auszusetzen, doch das Schicksal bewahrte sie vor diesen Strapazen. Nachdem sie 2 lange Vormittage auf dem Flughafen verbracht hatte, gab sie auf. Morgens gab es in Kathmandu Nebel, so dass das Flugzeug nicht starten konnte und als es aufklarte fielen in Lukla die Wolken ein und vereitelten dadurch eine sichere Landung.
Wegen der ungünstigen Flugbedingungen kam Geshe Dagyal eun paar Tage später von der Khari Gompa zurück,als ursprünglich geplant war. Er hatte drei Monate die Nonnen des Khari Nunnery in buddhistischer Philosophie unterrichtet. Er brachte Fotos mit, die zeigen, wie hart diese Frauen für den Bau ihres Klosters gearbeitet haben: Steine schleppen, Zement rühren und Holz bearbeiten. In der Freizeit lernen sie mit Feuereifer. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, führen sie zudem Rituale für die lokale Bevölkerung durch. Denn das Kloster kann nur noch bis Februar die Hauptmahlzeiten stellen, weiter reicht das Budget nicht mehr. – Es sei denn, wir finden Spender. – Der Bau des Klosters ist erfreulich weit fortgeschritten. Die Außendekoration, von Khari Rinpoche selbst entworfen, strahlt zum Teil schon in leuchtenden Farben und bald werden die obligaten „Gunrizas“ den Giebel zieren, die dank großzügiger Spenden aus unserem Dakinikreis in Auftrag gegeben werden konnten.
Der Klosterneubau im Kopan Nunnery macht weiter Fortschritte, auch wenn sie nicht mehr so ins Auge fallen. Es geht jetzt um die Innenraumausgestaltung. Khenrinpoche Lama Lhundrup ist bereits beim nächsten Projekt: Es werden 100 neue Schlafräume für die Nonnen, eine neue Küche und ein ausreichend großer Speisesaal benötigt. Pro Doppelzimmer muss man insgesamt mit einem finanziellen Aufwand von € 3.000,- rechnen. - Wer also für die Behausung von ein oder zwei Nonnen aufkommen möchte, kann sich da gerne einklinken.
Die Kopan-Nonnen werden diesen Herbst wieder auf eine Tournee durch Deutschland und Holland gehen, um Geld für dieses Projekt zu sammeln. Den Tourneeplan werde ich im Laufe des Frühjahrs bekannt geben.
Für alle, die sich durch ihren Beitrag an der Winterdebatte der Kopan Nonnen beteiligt haben, gibt es eine erfreuliche Nachricht: Unsere Nonnen haben den dritten Platz belegt, obschon sie ihr Studium erst Jahre später als manches Nunnery in Indien beginnen konnten. Freude und Stolz standen den jungen Frauen ins Gesicht geschrieben, wenn sie von ihrem Erfolg berichteten.
Und hier noch eine erfreuliche Neuigkeit: Die Nonnen aus Tibet sind zurück gekehrt! Es war gefährlich und mit großen Strapazen verbunden und Ani Thubten Tenzin konnte ihre Schwester nicht wie geplant mitbringen. Vier lange Tage ohne jegliche Nahrung marschierten die jungen Frauen nachts durch Eis und Schnee und versteckten sich tagsüber vor der chinesischen Grenzpolizei. Erschöpft, aber unendlich erleichtert kam sie dann endlich in Nepal an.
Die Grenze zwischen China und Nepal ist inzwischen wieder passierbar, wenn die geschilderten Bedingungen in Kauf genommen werden. Es kommen wöchentlich zwischen 15 und 20 tibetische Flüchtlinge im Tibetan Reception Center (TRC) an. Zur Zeit befinden sich dort 54 Menschen. Die Neuankömmlinge können nach etwa zwei Wochen mit dem Bus nach Indien weiterreisen. Die indische Regierung stellt die Reisedokumente ohne große Verzögerung aus. – Bis vor zwei Jahren waren zu dieser Jahreszeit immer weit über 1 000 Flüchtlinge im TRC!
Zwei markante Ereignisse meiner Reise möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Auf meinem Flug nach Kathmandu wurden mir durch einen Trick 2.700,-€ aus meinem Handgepäck entwendet. - Ein
Freund hatte mich gebeten, diesen Betrag für ihn mitzunehmen. – Ich fand den Rest einer € 100,- Banknote und einen Teil des zerfetzten Kuverts, in dem sich das Geld befunden hatte, in meinem Köfferchen. Das Bargeld für unsere Patenkinder blieb zum Glück unangetastet. - Ich möchte Sie trotzdem bitten, mir künftig kein Bargeld mehr mitzugeben, sondern alle Gelder über das Dakini-Konto laufen zu lassen.
Die zweite große Herausforderung war Elfriedes Verlust ihres Reisepasses am Silvesterabend. Wir hatten gerade noch einen Tag, nämlich Freutag den 2.1., um ein Reisedokument für sie zu besorgen. Dank Ani Jangsems und Jigtols Einsatz und den entsprechenden Beziehungen hatte Elfriede nach acht Stunden Bangen den Ersatz-Paß mit Visum in ihren Händen. Wir konnten also am darauf folgenden Montag wie geplant ausreisen.
Bereits am Wochenende vor unserer Abreise begann im gesamten Kloster der große Exodus. Etwa zwei Drittel der Mönche und Nonnen machte sich auf den Weg nach Varanassi, Indien. Dort sollte S.H. der Dalai Lama Belehrungen geben und sowohl für Ordinierte wie für Laien ist es ein Herzensanliegen, die Nähe Seiner Heiligkeit zu suchen und seinen Segen zu erhalten. Einige unserer Dakini-Schützlinge begaben sich so frühzeitig auf Reisen, dass wir keine Chance hatten, sie rechtzeitig zu erreichen.
Das Geld für Notfälle bzw. freie Spenden konnten wir dieses Mal unter den nepalesischen Mitarbeiter im Kloster verteilen, die für die Beschulung ihrer Kinder noch kleine Paten haben. Indem wir sie in unsere Dakini-Aktivitäten einbeziehen versuchen wir dazu beizutragen, die Kluft zwischen den Tibetern und Nepalesen zu überbrücken, denn es gibt da viel Neid, v.a. auch wenn es um die tibetischen Exilklöster geht. Auch die Verarztung eines schwer verletzten Hundes konnte mit den frei verfügbaren Geldmitteln bestritten werden. – Leider hat Nena (die Hündin) trotzdem nicht überlebt. Sie wurde aber mit liebevoller spiritueller Unterstützung durch den Sterbeprozess begleitet.
Meine nächste Nepalreise ist für den 5.4. (Palmsonntag) anberaumt. Bitte schicken Sie die Post für Ihre Patenkinder bereits zwei Wochen früher und die Geldüberweisungen (falls Taschengeld oder sonstige Sonderzahlungen getätigt werden sollen) bis spätestens Mitte März, damit unsere Abrechnung und die Geldüberweisung nach Nepal rechtzeitig abgewickelt werden können.
Ich möchte Ihnen, liebe Dakini-Freunde, für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse an unserer Arbeit danken und Ihnen für das neue Jahr von Herzen viel Glück und Segen wünschen, mögen Friede, Wohlergehen und Freude unser aller Leben auf diesem Planeten bestimmen und mögen wir einander Mut machen auf dem Weg in diese Richtung.
Ihre
Eva Anderson
Reisebericht Nepal Ostern 2009
Mein Osterbesuch in Nepal war überschattet vom Tod des Hüters der Chenresig Gompa, Kunchen la, einem Mann mit viel Herzenswärme und Humor, der in einer überzeugenden Weise das buddhistische Geistestraining in die Praxis umzusetzen verstand. Sein Magen-krebs wurde im Februar entdeckt und operiert, aber es war zu spät. Sein Körper war bereits mit Metastasen (Tochtergeschwüren) durchsetzt und die in seiner Lunge verkapselten Tuberkelbazillen sahen ihre Zeit gekommen, auszubrechen und sich zügellos zu vermehren. Am Ostersonntag wurde Kunchen la durch einen sanften Tod von seiner Schmerzen erlöst. Mönche und Nonnen begleiteten ihn mit tagelangen Gebeten und Ritualen in die andere Welt (den Bardo).
Die Tuberkulose schlägt auch im Nunnery gnadenlos zu. Vier von 380 Nonnen wurden im letzten Jahr als neu infizierte Fälle diagnostiziert. Thupten Choekyis Lymphsystem wurde von den Tuberkelbazillen total überschwemmt, so dass ihr Hals beängstigend anschwoll. Über dem Schlüsselbein entwickelte sich ein fulminanter Abszess, den sie mit der Rasier-klinge zu öffnen versuchte! Bei einer anderen Nonnen wurde nach der Behandlung der Lungentuberkulose eine schwere Hepatitis festgestellt. Zu all dem steht bei der 20-jährigen Ani (= Nonne) Lobsang Dolmey die Entfernung eines Hirntumors an, der zwar gutartig ist, aber den Abfluss des Gehirnwassers blockiert. Sie leidet unter unerträglichen Kopfschmerzen, hat aber panische Angst vor einer Operation. Auch Geshe la Jampa, einer der ersten Philosophielehrer der Nonnen, müsste sich operieren lassen. In seinem Magen wächst ein bösartiger Tumor. Wenn er nicht entfernt wird, bildet er Metastasen.- Das Budget des Klosters wird durch diese Krankheitsfälle schwer belastet. Wenn Sie helfen möchten, haben Sie die Möglichkeit, dem „Gesundheits-Fond“ eine Spende zukommen zu lassen.
Es gab aber auch Schönes bei meinem Aufenthalt. Mein Mann Wilhelm und ich begleiteten unseren Klinik-Chef, den Mönch Sangye Tenzin, und die beiden Kinder seines Bruders nach Tatopani, wo seine Familie lebt. – Tatopani an der Grenze zu Tibet, wo die berühmte „Friendship - Bridge“ Nepal mit dem überwältigenden Nachbarstaat China verbindet. Im Dorf konnten wir über eine Hängebrücke den Fluss überqueren, um zur Mühle der Familie am anderen Ufer zu gelangen. Von dort aus sahen wir Tibet unmittelbar vor unseren Augen, am Hang gegenüber. Die Grenze ist in diesem Bereich nicht befestigt, deshalb konnten bislang viele tibetische Flüchtlinge auf diesem Weg nach Nepal gelangen. Das ganze Gebiet ist jedoch jetzt in den Händen der Chinesen und die Bewohner stehen gewaltig unter Druck. Das erlebten wir sehr eindrucksvoll, als wir uns der „Friendship-Bridge“ nähern wollten. Wir gingen durch ein hohes Gittertor vorbei an nepalesischen Grenzposten und dem „Immigration Office“. Da wurden wir umgehend aufgehalten und ins Büro gebeten. Mönchen, Nonnen und Journalisten sei der Zutritt zu diesem Gelände verboten und Touristen dürften auf keinen Fall fotografieren. Ein paar Schritte weiter kam ein kleiner alter Tibeter / Nepalese in Zivilkleidung auf uns zu und bat uns in einem bestimmten Ton, der keine Widerrede duldete, umzukehren. In seiner Stimme schwang im Unterton gewaltige Angst, wie bei jemanden, der gegen seine Überzeugung handeln muss. Wir waren mit zwei Mönchen unterwegs, also verstanden wir seine Not und drehten gehorsam um. Von einem Stück Mauer aus, einer Befestigung des steilen Flussufers, konnten wir auf der gegenüber-liegenden Seite große Bauten – wohl für das chinesische Militär und die Bürokratie – sehen. Von dort aus wird die nepalesische Seite kontrolliert und infiltriert, so dass tibetische Flüchtlinge kein Chance mehr haben, über diesen Weg in die Freiheit zu entkommen.
Ein starkes sinnliches Erlebnis in Tatopani (zu deutsch „heißes Wasser“) war das Bad in den heißen Quellen, die hier aus der Erde kommen. In der Badeanstalt herrscht Volksfest-stimmung und wir mieteten uns eine Wanne in einer Kabine, um uns nicht in der drängelnden Menge einen Platz unter der Dusche erobern zu müssen. Das Wasser (ca. 50°C) fühlte sich kochend heiß an und es bedurfte einiger Überwindung, einzutauchen. Wir ließen uns ein Weilchen garen und motivierten uns mit der Vorstellung, dass es sicher sehr gesund sei. Mit einem befriedigendem Gefühl (weil wir so tapfer waren) und ziemlich erschöpft schliefen wir dann im Hotel in unseren Betten ein.
Ein zweiter lohnenswerter Ausflug führte uns auf einen bewaldeten Berggipfel gegenüber von Suyambunath. Dort befindet sich die Höhle des berühmten indischen Gelehrten Nagarjuna, der auf seinem Weg nach Tibet hier vorbei gekommen sein soll. Unser bewährter Fahrer Dhakal mit seinem bequemen, gut gefederten Kleinbus chauffierte uns eine gute Stunde lang über Stock und Stein auf unbefestigten Waldwegen an steilen Abhängen entlang zum Ziel. Von dort hat man einen wunderschönen Ausblick auf Kathmandu und bei klarer Sicht auf den Himalaya. Wir umrundeten den Stupa, besuchten die Höhle und Ani la Jangsem, unsere Oberin, brachte Gebetsfahnen zum Segen der Dakinis und ihrer Schützlinge an.
Auf der Fahrt nach Nagarjun kam Shristi, Dhakals 18 jährige Tochter mit. Sie hat gerade die 12. Klasse mit dem SLC (School Finishing Certificate) abgeschlossen und wartet auf das Resultat, um sich an einem College zu bewerben. Sie und ihre Schwester Sujita, die an der Universität Wirtschaft studiert, wünschen sich ein Notebook, weil sie zuhause keinen PC haben. – Vielleicht kann jemand aus dem Dakini-Kreis weiterhelfen!
Hier möchte ich mich gleich selbst mit einer Bitte anschließen: Ich hatte dieses Mal meine Kamera vergessen und musste deshalb recht mühevoll die Fotos für die Paten beschaffen. Es wäre mir sehr geholfen, wenn Sie eine Zweitkamera zum Verschenken hätten, dann könnte ich sie in Nepal deponieren bzw. während meiner Abwesenheit einer Nonne zur Verfügung stellen.
Nun zur Situation im Tibetischen Reception Center (TRC): Die Anfahrt wird etwa 100m vor dem Eingang durch ein Gittertor potentiell abgeschirmt. Mit ca. 30 Erwachsenen und 6 Kindern wirkt das Gelände wie ausgestorben. Es kommen etwa 2 Flüchtlinge in der Woche an und man weiß nie, ob es sich nicht um Spione handelt. Das Ausstellen von Reisedokumenten im Immigration Office und der Bustransport nach Indien gehen z.Zt. problemlos über die Bühne. – Die Zukunft des TRC sieht jedoch düster aus. Die chinesische Regierung drängt auf die Schließung. Die Flucht der Tibeter ist ja ein Beweis, dass die propagierte Einhaltung der Menschenrechte in China nicht mehr als eine Farce, ein Täuschungsversuch der Weltöffentlichkeit ist. Dieser Makel soll getilgt werden, die tibetischen Flüchtlinge sollen als Kriminelle abgetan werden, die ihr Land widerrechtlich verlassen haben. Die Maoisten in Nepal gehen mit dieser Haltung Chinas konform. Es gibt allerdings auch starke Gegenkräfte, nämlich das Militär und die demokratischen Parteien (die allerdings unter einander zerstritten sind). Die konservativen Kräfte und Indien bauen den „Babyking“ (den Enkel des letzten regierenden Königs) als Alternative auf und die Bürokratie (in den unteren Chargen) versucht durch Verknappung von Wasser-, Strom- und Benzin-/Kerosinversorgung den Beweis zu erbringen, dass die Regierung unter der Führung der Maoisten unfähig ist, die Probleme des Landes in Griff zu bekommen.
Was den Klöstern droht, wenn die Maoisten im Land das Sagen haben, wurde im Kloster Kopan im März d.J. deutlich. Soldaten belagerten für mehrere Tage das Klostergelände und Mönche, die sich vor einem Jahr an Demonstrationen gegen die chinesische Regierung beteiligt hatten, wurden aufgegriffen und ins Gefängnis gebracht. Jigtol, einem nepalesischen Mönch und gewieften Politiker mit einigem Einfluss, gelang es, sie frei zu bekommen.
Die jungen Tibeter geben jedoch nicht auf. Sie gründen Initiativen zur Unterstützung der politischen Ziele der Tibeter in Nepal („Pod Rig Punda“, www.podrigpunda.com ) und soziale Projekte, um die vielen arbeitslosen Tibeter aufzufangen, die nach ihrer Ausbildung in Indien zurück kommen, weil sie dort keine Chance auf eine berufliche Zukunft haben ( „Café dreamfactory“, www.cafedreamfactory.com).
Eines der Ziele unsere Dakini-Arbeit ist es, den Menschen in Nepal zu ermöglich, vor Ort ein besseres Leben aufzubauen und ein friedliches Zusammenleben der Tibeter und Nepalesen zu fördern. Bitte unterstützen Sie uns!
Reisebericht Nepal Sommer 2009
Liebe Dakini-Freunde,
das „Wichtigste“ vorweg: meine nächste Reise nach Nepal ist für Mitte Dezember geplant und ich möchte bitten, Briefe für Ihre Patenkinder bis zum 7.12. abzuschicken und Geld-überweisungen (Sonderzahlungen, Taschengelder etc.) Anfang Dezember zu tätigen.
Ein herzliches Dankeschön an alle Paten, die so freundlich waren, auf meiner Bitte nach adressierten Umschlägen bzw. Adressaufklebern nach zu kommen! Manche Kuverts waren sogar frankiert! Ihre Unterstützung brachte mir eine große Erleichterung.
Mein Sommeraufenthalt war geprägt von den Vorbereitungen der Nonnentour, die in der nächsten Woche in Schloss Altenburg bei Rosenheim beginnt. – Sechs Kopan-Nonnen werden drei Monate durch Deutschland und Holland touren um Sandmandalas zu streuen, Chamtänze (rituelle Maskentänze) zu zeigen, vom Klosterleben zu berichten und auf die politische Situation Tibets aufmerksam zu machen. – Zunächst ging es um die Beschaffung des Visums an der deutschen Botschaft. Beim dritten Anlauf schafften wir es, nachdem wir einige Hindernisse zu überwinden hatten. Mit unserer Oberin Ani Jangsem ging es dann einige Tage zum Großeinkauf nach Kathmandu, damit die Nonnen schöne bunte Decken, aus Tibet, Pashminaschals und hübsche Schmuckstücke mitbringen können. Wenn Sie darauf neugierig sind, kommen Sie doch zu einer der Vorstellungen der Nonnen und lassen Sie sich den Anblick eines Sandmandalas nicht entgehen! Den Tourneeplan finden Sie auf unserer Website www.dakini-netzwerk.de.
Großeinkäufe mussten auch wegen des anstehenden Besuchs von 200 Nonnen aus Indien getätigt werden, denn in diesem Jahr findet der Debattierwettbewerb der tibetischen Nonnen im Kopan-Nunnery statt. Riesige Töpfe, Unmengen von Thermoskannen und Küchenutensilien wurden in den Jeep gestopft, so dass wir kaum noch Platz zum Sitzen finden konnten. Bis zum Beginn der berühmten „Winterdebatte“ Ende September soll auch die untere Etage des Neubaus des Klosters fertig gestellt werden. In der riesigen Debattierhalle sollen die besten Studentinnen in einem vehementen Streitgespräch gegen einander antreten. Die Nonnen werden auch auf ihrer Tournee eine solche Debatte präsentieren, damit Sie sich ein Bild von dieser dynamischen Auseinandersetzung machen können, die auch den Körper ganz stark einbezieht.
Mitte August wurde im Gemeindehaus in Boudhanath wieder eine drei Tage dauernde Gebetsfeier angehalten, um für das lange Leben S.H. des Dalai Lama zu beten. Das tibetische Staatsorakel hatte diese Aktion empfohlen. Es war ein Anlass für die tibetische Exilgemeinde, sich zusammen zu finden und sich gegenseitig und im Gebet zu stärken. Denn nach wie vor geht bei den Tibetern in Nepal die Angst um. Die Maos benützen vorzugsweise tibetische Räumlichkeiten, um sich zu streng geheimen Meetings zurück zu ziehen. Sie üben dadurch psychisch einen enormen Druck aus. Niemand weiß, was beraten und beschlossen wird.
Insgesamt ist die politische Situation in Nepal instabil und unberechenbar. Indien fürchtet, seine Vormachtstellung zu verlieren und China benützt die Maos, um seine Interessen durchzusetzen. Sie pumpen tüchtig Geld in das Land, um Sympathien zu gewinnen. So mancher Nepali schlägt sich aus Antipathie gegen Indien auf die Seite Chinas. Die neu erworbene Redefreiheit wird nicht selten als Mittel der Diffamierung von Gegnern und Anders denkenden eingesetzt und es besteht die Gefahr einer Zersplitterung in miteinander rivalisierende Volksgruppen und Religionsgemeinschaften. Ein privater Fernsehsender beschuldigte z.B. ein großes Kloster in Namobuddha, Waffen zu verstecken, nachdem bei den Maos ein illegales Waffenlager entdeckt worden war. Die Klöster gerieten insgesamt in den Brennpunkt harscher Kritik, ja Verleumdung. Der Sender sollte deshalb zur Rechenschaft gezogen werden, doch die bösen Anschuldigungen waren nun mal in die Welt gesetzt. - Die öffentliche Anerkennung der Hilfe der tibetischen Frauenorganisation für die nepalesischen Durchfallopfer an der Peripherie des Landes in der Presse weckte dagegen Hoffnung. Es gibt in Nepal auch eine Schicht reicher Investoren, die auf eine strahlende Zukunft setzen, Kaufhäuser im westlichen Stil errichten und mit einer Million Besucher im Jahr 2011 rechnen. Dem steht die Masse der die arbeitslosen, kranken Menschen gegenüber, die sich Nahrungsmittel wegen der brutal steigenden Preise nicht mehr leisten können, weil die Subventionen zurück gezogen wurden.
Ich möchte mich jetzt lieber von der widersprüchlichen Menschenwelt den Tieren zuwenden, denn da gibt es einiges Erfreuliches zu berichten. Zum einen war das „Retten der Fische“ ein Höhepunkt meines Aufenthalts. Wir erstanden am Kalamatichok, dem großen Lebensmittel- markt in Kathmandu, 80 kg lebende Fische , die eigentlich für die Bratpfanne bestimmt waren. – Entsprechend der buddhistischen Tradition wollten wir Leben retten, um Verdienste zu erwerben (positive Energien erzeugen) und sie dem langen Leben unserer spiritueller Lehrer zu widmen. – Wir packten die Fische also in Styroporbehälter mit nicht zu viel Wasser, damit wir die Kisten gerade noch heben konnten und fuhren im Eiltempo – soweit es der dichte Verkehr in Kathmandu zuließ – zum Rani Pokhara (dem „See der Königin“) mitten in der Stadt, wo nicht geangelt werden darf. Dort versorgten wir zunächst unsere Fische mit hinreichend Wasser, besorgten Fischfutter für die bereits vorhandenen Artgenossen, damit sie die Neulinge in Ruhe ließen und nicht attackierten. Dann übergaben wir unsere Fische, die in den Transportbehältern bislang in Todesängsten um sich geschlagen und dann in Resignation erstarrt waren, unter Gebeten dem Wasser, der Freiheit, einem zweiten Leben. Es war ein Hochgefühl, sie abtauchen und dann wild auseinander stoben zu sehen!
Im Kloster Kopan gibt es übrigens seit ein paar Jahren ein „Tierparadies“. Dort werden Tiere, die zum Schlachten bestimmt waren und frei gekauft wurden, aufgenommen und versorgt. Auch altersschwache und kranke Tiere finden dort eine Heimat und werden gepflegt. Eine der ersten Bewohnerinnen in diesem Tierhimmel war Shanti, eine Ziege die Ulrich, Sabine und ich 2007 zur Feier des neuen Jahres gerettet haben. Heute leben 10 Ziegen auf dem Gelände, 8 davon sind trächtig und eine hat 2 Junge geworfen, während ich da war. Es war ein großes Ereignis für die kleinen und großen Nonnen! Wir konnten uns gar nicht satt sehen an den süßen Kleinen, die unbeholfen durch die Welt staksten und noch nicht einmal das Euter der Mutter so richtig finden konnten.
Was den Gesundheitszustand von Nonnen und Mönchen betrifft, gibt es auch z.T. gute Neuigkeiten. Der Gehirntumor der jungen Nonne (wie letztes Mal berichtet) wurde erfolgreich operiert und sie setzt jetzt beschwerdefrei und überglücklich ihr Studium fort. Der Magentumor von Geshe Jampa hat sich als gutartig und nicht operationsbedürftig herausgestellt. Leider hat sich die Lymphknotentuberkulose von Ani Choekyi nicht eindämmen lassen,. Sie produziert trotz der einschlägigen Behandlung ständig neue tuberkulöse Abszesse im Halsbereich. Es handelt sich bei ihr offensichtlich um einen multiresistenten Tuberkelbazillus. Ein ebenso dramatischer Fall von Tuberkulose begegnete mir in Gestalt von Namdröl, der Schwester von Kelsang, einem Lehrer der Klosterschule. Namdröl bekam vor einem Jahr während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Südindien nach einer schweren Lungentuberkulose einen Rückfall, der aber zu spät erkannt wurde. Als die Diagnose gestellt wurde, war lag bereits eine Tuberkulose im dritten (organdestruktiven) Stadium vor. Die Eltern mussten ihre Tochter zu sich nach Kathmandu holen und die Mutter gab ihre Stelle als Lehrerin auf, um sie zu pflegen. Namdröl ist auf 28 kg abgemagert und besteht nur noch aus Haut und Knochen. Sie kann sich kaum auf den Beinen halten. Sie muss täglich gespritzt werden (die Einstichstellen schmerzen furchtbar!), bis der Speicheltest negativ ausfällt. Die Familie hat für die Behandlung alle finanziellen Reserven aufgebraucht, die ganze Großfamilie hat Geld zusammengelegt und der Bruder Kelsang hat sein Jahresgehalt im Kloster als Vorschuss genommen, damit die Behandlung der Schwester fortgesetzt werden kann. – Dank der großzügigen freien Spenden in unserem Etat konnten wir der Familie als Notfall unter die Arme greifen. Wir suchen jetzt aber einen Paten, der Namdröls Behandlungskosten von € 120,- pro Monat übernehmen kann, bis sie auskuriert ist. Natürlich können sich auch mehrere Paten diesen Betrag teilen.
Mit dieser traurigen Geschichte möchte ich meinen Bericht enden und hoffe, dass wir gemeinsam eine Lösung finden können.
Nochmals ein herzliches Dankeschön an alle Paten! – Wir haben im Nunnery wieder eine Tarapuja gemacht und um Glück und Segen für alle Dakas und Dakinis (männliche und weibliche Sponsoren der Dakini-Familie) gebetet. Mögen unsere guten Wünsche in Erfüllung gehen!
Ich wünsche Ihnen einen sonnig warmen Altweibersommer voll Farbenpracht und einer reichen Ernte
Ihre
Eva Kuczewski-Anderson
Reisebericht Nepal Winter 2009/2010
Weihnachtsbericht 2009/2010
Ich hatte bei der letzten Reise viel Glück: Trotz heftigen Wintereinbruchs mit Eis und Schnee schaffte ich es rechtzeitig zum Abflug und ich kam am Abend vor dem 72-stündigen Generalstreik – das bedeutet kein Autoverkehr auf den Straßen – an. Bei meiner Rückkehr schafften wir es trotz schneeverwehter Straßen ohne Zwischenfälle und Staus zurück nach Würzburg. Den mutigen, einsatzfreudigen Fahrerinnen sei tausend Dank!
Die ersten drei Tage in Kathmandu war ich wegen des Streiks mehr oder weniger zur Untätigkeit gezwungen. Wir konnten zwar auf den verkehrsberuhigten Straßen gemütlich nach Boudhanath spazieren und den Stupa umrunden. Die Geschäfte waren geschlossen Und wir bekamen nichts von den Tumulten auf der Ringroad mit, wo Demonstranten Fahrzeuge demolierten und Reifen verbrannten.
Die Maoisten halten die Bevölkerung mit unrealistischen Versprechungen - wie „Vereinbarungen mit der Regierung Vollbeschäftigung und gerechte Löhne bei eingeschränkten Arbeitszeiten“ - und durch Drohungen in Schach. Sie werden vom chinesischen Regime unterstützt bzw. finanziert. China macht seinen Einfluss im öffentlichen Bereich zunehmend geltend. Der Ausbau der Infrastruktur, das Gesundheitswesen, Bildung und der Arbeitsmarkt werden weitgehend von China bestimmt. Fördergelder fließen reichlich, zugleich wird aber auch die Kontrolle über die jeweiligen Bereiche übernommen. Der Hass gegen Indien wird mit dem Hinweis auf „ nationale Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Fremdmächten“ geschürt und die Regierung beschuldigt, „eine Marionette Indiens“ zu sein. Zugleich wird der Föderalismus - das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmung der Stämme- mit Gewalt gefordert und gefördert. Dadurch wird der Zusammenhalt des nepalesischen Staates geschwächt und die Differenzen zwischen den Bevölkerungsgruppen spitzen sich zu. Der Einfluss der Regierung wird durch diese Aktionen beeinträchtigt. Beeindruckend ist der Bau einer riesigen Verbindungsstraße zwischen der chinesisch-nepalesischen (sprich: tibetischen) Grenze und Kathmandu. Sie soll natürlich nur einer florierenden Handelsbeziehung dienen, wird gesagt. Wann wird Nepal offiziell eine Provinz Chinas sein, frage ich mich? Die Propagandamaschine mit Täuschen und Tricksen läuft auf Hochtouren.
Die Grenze zu Tibet ist nach wie vor dicht, auch wenn sich zurzeit ca. 90 Tibeter im TRC (Tibetan Reception Center) aufhalten. Jeden Tag erscheinen kleine Gruppen von Neuankömmlingen und einmal in der Woche werden sie in Bussen mit 30-40 Personen nach Indien weiter transportiert. Viele von ihnen haben chinesische Pässe, die sie zu horrenden Preisen erstanden haben und in denen kein indischer Stempel vorhanden sein darf, damit sie nach ihrer Rückkehr nach Tibet keine Schwierigkeiten bekommen. Sie alle wollten nach Bodhgaya, wo S.H. der Dalai Lama vom 4. -9. Januar Belehrungen gab. Sie wollen ihn wenigstens einmal in ihrem Leben sehen! Manche von den Tibetern bleiben auch in Indien, um eine neue Existenz in Freiheit aufzubauen und ihren Kindern eine Erziehung im Geiste des Buddhismus und der tibetischen Tradition angedeihen zu lassen.
Bodhgaya war auch das Ziel unserer Mönche und Nonnen und einer Vielzahl von Tibeterinnen und Tibetern, die in Nepal leben. Am Abend es ersten Tages des neuen Jahres - am Ende eines neuerlichen Streiktages – leerte sich das Kloster dramatisch. 16 große Reisebusse setzten sich vom Nunnery aus in Richtung Indien in Bewegung, nur ganz wenige blieben zurück.
Ich muss deshalb um Nachsicht bitten, dass ich nicht alle Patenkinder rechtzeitig vor ihrer Abreise kontaktieren konnte, denn die erste Streikperiode zögerte den Erhalt der Spendengelder um eine halbe Woche hinaus und als sie endlich verteilt werden konnten waren viele Tibeter schon aufgebrochen.
Weil die Situation unbefriedigend ist und weil wir alle – unser Schatzmeister, unsere Oberin Ani Jangsem und unser Klinikchef Sangye Tenzin - einschließlich meiner eigenen Person – am Rande unserer Belastbarkeit angekommen sind – möchten wir vor Ort jemanden einsetzen, der sich um die Patenschaften kümmert, für die Kommunikation zwischen Patenkindern und Sponsoren sorgt und uns dadurch entlastet. Wir Ehrenamtlichen werden durch die Supervision mit Sicherheit ausgelastet sein.
Ein besonderer Belastungsfaktor war bei diesem Besuch im Kloster Kopan war der Ansturm von Besuchergruppen aus Singapur und Malaysia, denen der Neubau des Nunnery weitgehend zu verdanken ist und die deshalb einen entsprechenden Service von Seiten unserer Oberin Ani Jangsem erwarten durften. Es gab sehr interessante Begegnungen mit den asiatischen Freunden, z.B. mit einem jungen Rinpoche namens Kusang Dorjee aus Singapur. Er wurde in Sikkim geboren, wuchs aber bei seinem Großvater – ebenfalls einer anerkannten Wiedergeburt – in einem Kloster in Tibet auf. Mit 9 Jahren wurde er in eine Höhle im Himalaya geschickt, um dort 3 Jahre lang ohne Essen und Trinken zu meditieren. Seine einzige „Nahrungszufuhr“ sollten heilige Pillen sein. Nach 3 Monaten brach der Junge das Retreat ab und lief zurück zum Kloster, wo er dann bis zum Alter von 17 Jahren blieb, um eine klassische monastische Ausbildung zu erhalten. Dann legte er sehr zum Ärgernis des Großvaters seine Roben ab und schloss sich seinen Eltern an, die inzwischen in Singapur leben. Jetzt reist er mit seinen 19 Jahren durch Asien, um zu lehren. Gerade bei jungen Menschen kommt er ungeheuer gut an. Seine für einen tibetischen Lama unkonventionelle Erscheinung gleicht einem ganz normalen „Teeny“ aus dem Westen. Er kann aber überzeugend ganz wundersame Geschichten erzählen und seine Persönlichkeit berührte mich tief.
Ein gesellschaftlicher und spiritueller Höhepunkten war die Essenseinladung ins „Yak und Yeti“, dem ältesten und einem der nobelsten Hotels in Kathmandu von Geshe Tenzin Sopa, dem Herzenssohn des früheren Lama Kunchok und dem Verantwortlichen für seine Wiedergeburt Tenzin Phuntsok Rinpoche. Weitere erwähnenswerte Erlebnisse waren die Pilgerfahrten nach Parping, wo sich eine grüne Tara aus dem Felsen herausbildet und wo Guru Rinpoche und Vajrayogini Heiligtümer haben. Auch Namobuddha besuchten wir, wo Buddha in einem früheren Leben seinen Körper einer verhungernden Tigerin mit ihren Jungen geopfert hat. An diesen heiligen Orten und am Stupa von Boudhanath ließen wir in den höchsten Höhen Gebetsfahnen anbringen, um Bitten um Glück und Segen für alle Wesen, besonders aber auch der Sponsoren des Dakini-Netzwerks, von den Winden gegen Himmel tragen zu lassen.
Auch unsere traditionelle Jahrespuja wurde im Nunnery in Auftrag gegeben. Die Nonnen wurden gebeten, für alle Förderer des Dakini-Netzwerks zu beten, damit dieses Jahr erfolgsreich werde und ihre Wünsche erfüllt würden. – Sie dürfen für dieses Jahr also einiges Gutes erwarten.
Ich möchte Ihnen im Namen aller Patenkinder ganz herzlich für Ihre großzügigen Spenden danken, die in vielen Notsituationen Hilfe bringen, jungen Menschen eine solide Ausbildung ermöglichen und hoffentlich für Ihr Leben eine Bereicherung bringen, wie z.B. die liebevolle Verbundenheit mit Menschen in einem exotischen, notleidenden und faszinierenden Landes.
Meine nächste Nepalreise ist für Mitte Mai geplant. Ich möchte Sie deshalb bitte, mir Briefe für Ihre Patenkinder bis Anfang Mai zukommen zu lassen und ggf. Geldüberweisungen noch vor Ende April zu tätigen. Ich möchte Sie bitte, von Geschenken (Spielzeug etc.)abzusehen und lieber etwas Geld in den Umschlag zu tun, damit sich die Patenkinder selbst besorgen können, was sie möchten und brauchen und was ihrer Lebenssituation angemessen ist. Leider kommt es sonst auf Seiten der liebevollen Paten gelegentlich zu Enttäuschungen... Eine einschneidende Veränderung in meinem Leben möchte ich Ihnen an dieser Stelle gleich ankündigen: Ich werde Ende März zu meinem Mann nach Hamburg ziehe. Die Mail-Adresse für das Dakini-Netzwerk wird gleich bleiben, aber Anschrift und Telefonnummer verändern sich. Ich werde Ihnen die neuen Daten zur gegebenen Zeit bekannt geben.
Mit allen guten Wünschen für dieses Jahr
IhreEva Anderson
Reisebericht Nepal Mai 2010
Liebe Dakini-Freunde,
Sie warten mit großer Spannung auf meinen Bericht aus Nepal, und ich muss um Nachsicht bitten, weil ich Sie so lange habe warten lassen. Der Aufbau einer Privatpraxis erfordert einen großen Einsatz, zumal in Hamburg, wo es ein Überangebot an Therapeuten gibt.
Zuvor aber noch ein paar organisatorische Neuerungen: Wie die meisten von Ihnen bereits wissen, haben wir bei unserer letzten MV im März beschlossen, auf Grund meines Umzugs den Vereinssitz nach Hamburg zu verlegen. Die neue Adresse lautet: Steindamm 48, 20099 Hamburg. Tel. 040/69219047
In Nepal gibt es jetzt eine direkte Ansprechpartnerin für unser Dakini Netzwerk: Sonam Tsomo, die Schwägerin unserer Oberin Ani Jangsem. Sie lebt mit ihrem Mann Norbu, der für einen tibetischen Teppichproduzenten die Büroarbeit erledigt, und der zweijährigen Tenzin Namdröl in Boudhanath. Sie können alle Fragen, die unsere Patenkinder in Nepal betreffen, an sie richten und mir bitte eine Kopie Ihres Schreibens zukommen lassen, damit ich am Laufenden bleibe, was vor sich geht. Ani Jangsem und ich werden als Supervisoren fungieren. Es hat sich bei meinem letzten Besuch gezeigt, dass Ani Jangsem mit der Leitung des Nunnery und ihren organisatorischen Aufgaben in der tibetischen Gemeinde in Boudhanath mehr als ausgelastet ist.
Sonam freut sich auf ihre Aufgabe und wir können sie finanziell durch Mittel aus den Mitgliedsbeiträgen unterstützen, was für ihre wachsende Familie eine willkommene Entlastung bedeutet. - Sonam steht knapp vor der Geburt ihrer zweiten Tochter. In den ersten Wochen nach der Geburt wird sie Norbu als Konaktstelle für die Dakini-Sponsoren vertreten. Ihre Mailadresse lautet:
sonam.dkininet@gmail.com
Für meine Nepalreise in diesem Jahr habe ich „Saka Dawa“, den „heiligen Monat“ gewählt, in dem Buddha Shakyamunis Geburt, Erleuchtung und Eingang ins Parinirvana gefeiert werden. Es ist eine Zeit großer religiöser Festlichkeiten. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt, ja übertroffen. Lama Zopa Rinpoche, der Gründer des Kloster Kopans und spirituelles Oberhaupt der weltweiten Organsiation FPMT (Foundation for Preservation of Mahayana Tradition) reiste am Freitag an, Dagri Rinpoche (ein naher Vertrauter S.H. des Dalai Lama) und Khandro (eine Seherin und Heilerin, man sagt sogar eine Erleuchtete aus Dharamsala) trafen am Samstag ein.
Nur eine Stunde später landete Beate Spinrath, eine befreundete Journalistin aus Würzburg, am Tribhuvan Airport in Kathmandu. Beate wird einen Bericht über ihre Erlebnisse während ihres Aufenthalts in Nepal in der Main Post veröffentlichen und ich werde Ihnen diesen Artikel mit Zustimmung der Autorin weiterleiten.
Die drei genannten führenden spirituellen Lehrer unserer Gelugpa-Schule hielten vom 23.- 28, Mai täglich für viele Stunden am Tag machtvolle Reinigungs- und Segensriuale buchstäblich mit Pauken und Trompeten ab.
Der Tempel am Stupa von Boudhanath von Choekya Rinpoche war bis auf das letzte Plätzchen gesteckt voll und immer wieder sammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Eingang, um doch auch etwas mitzubekommen. Besonders eindrucksvoll war ein lebensgroßes Bild S.H. des Dalai Lama auf dem Thron. Man bekam den Eindruck, er sei tatsächlich anwesend! Die Feierlichkeiten werden seit dem letzten Jahr auf die ausdrückliche Bitte des Dalai Lama hin abgehalten. Er selbst darf nicht nach Nepal einreisen, um die chinesischen Nachbarn der Nepalesen nicht zu verärgern. Die Pujas sind einer günstigen Entwicklung in Tibet (in Richtung Autonomie) und dem Weltfrieden gewidmet. Zum Abschluss gab es jeden Tag „Tsok“, d.h. Ritualkuchen und andere leckere Köstlichkeiten, die im Rahmen der Puja gesegnet wurden. Damit die Fülle der Früchte, Kekse, Säfte und Süßigkeiten auch mitgenommen werden konnte, bekamen wir Einkaufstüten! Draußen warteten dann die Bettler und es war nicht schwer, den Überfluss zu teilen. - Die reichen Gaben wurden über Spenden der Tibeter, Nepalesen und ausländischer Gäste vor Ort finanziert.
Ein besonderer Höhepunkt war für mich die Einladung in das Haus des Bruders von Lama Zopa Rinpoche in Boudhanath. Sein Name ist Sangay und er ist der Projektleiter für den Bau eines neuen Tempels in Solokhumbu. Die Familie von Lama Zopa Rinpoche stammt aus diesem Grenzgebiet nahe Tibet im Norden Nepals. Rinpoche trägt daher eine besondere Verantwortung für die Menschen in dieser über 4.000m hoch gelegenen, kargen Himalayaregion und man spürt das tiefe Mitgefühl gerade mit den zurückgebliebenen Alten, die sich selbst nicht mehr helfen können. Die Jungen sind oft in die Stadt gezogen, wo sie mangels Ausbildung keine Arbeit finden konnten und sich und ihre Familien nun bestenfalls gerade so durchbringen. Die durch das harte Leben verbrauchten alten Menschen sind sich selbst überlassen und leiden unter Hunger, Kälte, vielfältigen Krankheiten und Altersgebrechen. Deshalb hat Lama Zopa Rinpoche den Bau eines Altenheims bzw. kleiner Hütten für die notleidenden alten Menschen in dieser Region angeregt. Der Auftrag wurde an Sangay und das Dakini-Netzwerk vergeben. Es ist kein Projekt, das im nächsten Jahr umzusetzen ist, sondern einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Wir können aber bereits jetzt mit den Vorbereitungen beginnen. Vielleicht haben Sie das Bedürfnis nach „Großeltern“ im Himalaya, vielleicht ist es eine Gelegenheit, Versäumtes in der eigenen Familie gleichsam gut zu machen. Wenn Sie für Oma oder Eltern in dieser Welt nichts mehr tun können, tut sich hier eine Möglichkeit auf, es so zu sagen symbolisch nachzuholen. Bei der wunderbaren Idee von Lama Zopa Rinpoches handelt es sich um ein durch und durch spirituelles Konzept. Die alten Menschen sollen nicht nur mit Nahrung und medizinischer Hilfe versorgt werden, sondern Anleitung für eine tiefgehende Dharmapraxis erhalten. Neben täglichen gemeinsamen Gebeten, Rundgängen um Stupas (Khora) und Niederwerfungen (so fern noch möglich) soll es tägliche Belehrungen geben, damit der Übertritt in eine andere Daseinsform fundiert vorbereitet wird. Die Verdienste sollen den Gönnern und dem Wohl der ganzen Welt und allen Wesen gewidmet werden.
Diese alten Menschen können sich ganz uneingeschränkt auf den Dharma konzentrieren, denn in dieser Welt haben sie nichts mehr zu gewinnen. Ich werde Sie über die Entwicklung dieses Projekts am Laufenden halten.
Nun aber zu andern Seite des Lebensspektrums: Pema Dikey, eines unserer ersten Patenkinder hat am 17. Mai auf dem natürlich Wege ein Mädchen geboren! Die Ärzte hatten wegen der Größe des Kindes einen Kaiserschnitt empfohlen, aber Dikey ließ ein Mo (Vorhersage eines Lamas) machen und erhielt tibetische Medizin zur Unterstützung des Geburtsvorganges. Umso glücklicher präsentierten die jungen Eltern ihr Töchterchen. - Dikey war mit 14 Jahren praktisch ohne Schulbildung aus Solokhumbu nach KTM gekommen, und musste erst lesen und schreiben lernen. Sie schaffte durch Einzelunterricht neben dem normalen Schulbetrieb den offiziellen Abschluss, sie spricht heute Englisch und kann mit Computern umgehen. Sie hat einen kleinen Internetshop in Kathmandu eröffnet. All das war durch die Unterstützung ihres „Dakini-Vaters“ möglich!
Eine andere erfreuliche Entwicklung kann ich von Namdröl berichten, die wegen ihrer Tuberkulose dritten Grades ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Südindien abbrechen mußte und nun in Kathmandu von ihrer Familie gepflegt wird. Dank der Unterstützung durch das Dakini-Netzwerk können die teuren Medikamente bezahlt werden. Bei der letzten Untersuchung wurde eine Besserung des Organbefundes festgestellt und die Medikamente konnten halbiert werden, d.h. sie muss nur jeden zweiten Tag eine der schmerzhaften Spritzen erhalten. Leider hat sie von den Körperkräften her nicht zugelegt, sie kann sich nur mühsam auf den Beinen halten, sie kann nur wenig essen und alles strengt sie an. Sie ist aber nicht mehr lebensmüde sondern kämpft jeden Tag tapfer weiter, um stärker zu werden und zu genesen. Sie hat wieder Hoffnung. In drei Monaten muss sie allerdings wieder nach Südindien zur nächsten Kontrolluntersuchung reisen und davor ist ihr arg bange.
Unser anderer brisanter Fall von Tuberkulose in Indien ist unter Konterolle. Die Familie ist keimfrei und Nyima Gyalpo, der Familienvater, muss sich zwar noch schonen und kann nicht arbeiten, befindet sich aber auf dem Weg der Heilung.
Mit diesen erfreulichen Nachrichten möchte ich meinen Bericht schließen. Ich werde die Briefe aus Nepal in den nächsten Tagen verschicken.
Bitte lassen Sie mir Post für Indien noch vor Ablauf des Monats Juni zukommen! (Adresse s.o.)Ich werde Mitte Juli nach Dharamsala fliegen, um unsere Patenkinder dort zu besuchen.
Meine nächste Nepalreise plane ich Mitte November 2010. Bitte wieder ausschließlich Briefpost und ggf. Taschengeld für Ihre Schützlinge mit zu schicken! Ich kann den Transport sonst nicht bewältigen. Einzahlungen bitte bis Ende Oktober zu tätigen, damit wir sie bei der Überweisung nach Nepal berücksichtigen können.
Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Sommer und freue mich, das neue Projekt mit Ihnen in Angriff zu nehmen.
Mit herzlichem Dank an Sie alle für die Unterstützung unserer Dakini-Projekte, insbesondere auch unserer Problemfälle,
Ihre
Eva Anderson
Liebe Dakini-Freunde,
hier noch ein Nachschlag zu meinem letzten Bericht.
Anfang Mai herrschte in Nepal eine große Anspannung und wieder einmal wurde das Land durch einen Generalstreik lahm gelegt. Die Maos wollten ihre Macht demonstrieren und beorderten ihre Genossen aus den entlegenen Gebieten nach Kathmandu und brachten sie in Internatsschulen und öffentlichen Einrichtungen unter. Die Interviews mit den Dorfbewohnern im Fernsehen zeigten jedoch, wie unbedarft diese Menschen waren, dass sie eigentlich nur die Gelegenheit wahrnehmen wollten, kostenlos in die Hauptstadt zu kommen. Die Tage vor dem Ablauf des Ultimatums Ende Mai – das Land sollte bis zu diesem Zeitpunkt eine neue Verfassung bekommen - waren dann zwar spannend, aber es gab keine größeren Zwischenfälle. Im letzten Moment einigte man sich dann auf eine Verlängerung der Frist um ein Jahr. Damit trat eine politische Entspannung ein, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Gegenkräfte gegen die Maos scheinen zu greifen und die Bevölkerung demonstriert durch verschiedene Aktionen, das sie nur eines, nämlich Frieden wünscht. Der chinesische Einfluss erschien mir nicht mehr so uneingeschränkt die politische Szene zu beherrschen.
Ein vorsichtiges Ausbalancieren zwischen den übermächtigen Nachbarn Indien und China war deutlicher wahrzunehmen als bei meinem letzten Besuch im Dezember letzten Jahres. Entsprechend wird auch die Situation mit den tibetischen Flüchtlingen mit viel Diplomatie gehandhabt. In der Presse herrscht ein rauer Ton, wenn es um die „illegalen Übertritte“ geht, aber der Transfer nach Indien über das TRC (Tibetan Reception Center) läuft wie eh und je. Bei meinem Besuch befanden sich 64 Flüchtlinge dort, die am nächsten Tag mit dem Bus nach Dharamsala aufbrechen sollten. Mein Eindruck war, die rigorose Bewachung des Grenzgebietes zu Nepal geht von China aus und Nepal fügt sich.
Als gutes Zeichen werte ich die Tatsache, dass die Tibeter am Stupa von Boudanath öffentlich große Pujas abhalten durften, um den Geburtstag von Buddha Shakyamuni zu feiern. Man kann z.Zt. eine Riese nach Nepal uneingeschränkt empfehlen.
So viel zur politischen Lage. Die wirtschaftliche Situation ist sehr angespannt und das Abrutschen des Euro traf unsere Patenkinder hart. Wir bekamen etwa ein Viertel weniger für den Euro als noch vor 6 Monaten! Dabei steigen die Lebensmittelpreise weiterhin unaufhörlich.
Die Post aus Nepal müßte morgen eintreffen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen der Briefe Ihrer Patenkinder!
Mit herzlichen Grüßen
Eva Anderson
Reisebericht Indien Juli 2010
Es ist Regenzeit. Monsun in Dharamsala bedeutet überwiegend nasse Kälte, zwischendurch Momente mit bitzblauem Himmel in einer überwältigenden Gebirgslandschaft, atemberaubende Ausblicke weit entfernt unten im Tal. Ich vergesse immer wieder, wie weitläufig dieses Land ist und bin überrascht, wie lange wir zu unseren Zielorten unterwegs sind. Es ist eine andere Welt, ein anderes Zeiterleben hier in Indien.
Nach drei Jahren bin ich endlich wieder hier, um unsere Patenkinder zu besuchen und mich um ihre Familien zu kümmern. Die zarten scheuen kleinen Jungs sind zu hochgewachsenen Jugendlichen aufgeschossen und begegnen mir mit selbstsicherem Charme. Sie sprechen ganz selbstverständlich Englisch mit mir und interessieren sich für Fußball und internationalen Sport. Der Worldcup war der Hit!
Hier wächst eine neue Generation heran, die leidvolle Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern unter dem Terror des chinesischen Regimes gehört für sie der Vergangenheit an.
Andererseits wurde ich von verschiedenen Seiten mit leidvollen Lebensgeschichten konfrontiert, die man als prototypische Schicksale im besetzten Tibet sehen kann. Eine davon wurde mir von Thupten Jampa, dem jüngsten Bruder von Dagri Rinpoche erzählt. Er berichtete von dem Verlust von Hab und Gut, von Würde und Freiheit, von Gefängnis, Folter und Tod der nächsten Angehörigen. Einsamkeit und Angst, Hunger und beißende Kälte gehörten zu den Grunderfahrungen seiner Kindheit. Frühzeitig hieß es Schafe und Yaks weiden und die Verantwortung für die Tiere zu tragen, eine Überforderung für einen so kleinen Jungen. Lesen und Schreiben konnte ihm niemand beibringen, die Familie war zerstreut und er war sich selbst überlassen.
Da Thupten ein ausgesprochenes Talent besitzt, Geschichten zu erzählen, habe ich ihn ermutigt, seine Biografie zu schreiben. Ich hoffe, dass die Leser durch sein Beispiel in ihrem Lebensmut gestärkt und ermutigt werden, trotz größter Widrigkeiten durchzuhalten, und im Vertrauen auf gute Mächte auf eine günstige Wende des Schicksals zu hoffen, wenn die eigenen Bewältigungsmittel erschöpft sind.
Ein ausgesprochen glücklicher Umstand während meines Aufenthaltes in Dharamsala war die Anwesenheit der drei großen Lamas (s. Nepalreise), was ungewöhnlich ist. Ich konnte Lama Zopa Rinpoche , Dagri Rinpoche und Khandro la wieder sehen und ihren Segen empfangen. Khandro la gefiel unser „Dakini-Netzwerk“ sehr, bedeutet Dakini doch dasselbe wie Khandro in der tibetischen Sprache. Da sie eine große Familie in Tibet hat, die als arme Bauern ihr Leben fristen und den zahlreichen (9) Kindern keine Ausbildung angedeihen lassen können, hatte ich die Idee, ihr unsere Hilfe anzubieten. Ich hoffe, dass wir für eine Nichte, die bereits in Indien das TCV besucht und einen Neffen, der noch in Tibet bei seinen Eltern lebt, Paten finden. –
Sie werden in Kürze entsprechende Infos auf unserer Homepage finden. Während der Audienz im Palast S.H. des Dalai Lama (wo sie wohnt) gab Khandro la wunderbare tiefgründige Belehrungen. Wir können nur hoffen, dass sie bald nach Deutschland kommt, um zu lehren!
Lama Zopa Rinpoche beeindruckte mich durch eine Erzählung aus seiner Kindheit zutiefst. Er wollte als kleiner Junge in Solokhumbu fremdländischen Bergsteigern
am anderen Ufer des Flusses unbedingt Kartoffel (das Grundnahrungsmittel in dieser hoch gelegenen Gebirgsregion) bringen und wäre dabei beinahe ertrunken. Sein tiefer Wunsch, den Menschen im Westen geistige Nahrung zu bringen hat nicht nachgelassen. Auch heute schont er sich nicht und riskiert sein Leben, um für seine Schüler da zu sein. Er ist ständig unterwegs, um die vielen Zentren in allen Ländern dieser Erde zu besuchen.
Dagri Rinpoche hat versprochen, im Spätherbst bzw. Winter wieder nach Deutschland zu kommen, sofern er ein Visum erhält, um in München (Aryatara-Institut) und in Fichtheim (Taramandala / Dieter Kratzer) Belehrungen zu geben.
Auf der jeweiligen Website werden Sie im September die entsprechende Ankündigung finden. Es lohnt sich, dabei zu sein!
Am letzten Tag meines Aufenthalts hatte ich eine beeindruckende Begegnung mit einem Mönch, der den Rest seines Lebens als Einsiedler in den Bergen des Himalaya verbringen möchte. Da auch Eremiten essen und für eine noch so bescheidene Unterkunft zahlen müssen, suchen wir einen Paten für ihn. Seine Geschichte wird auf unserer Homepage erscheinen.
Ich muss die Paten der „indischen Kinder“ um Verständnis bitten, weil ich nicht alle Geschenke mitbringen konnte, die mir für ihre Paten gebracht wurden. Meine Kapazität, das Gepäck zu befördern, reichte einfach nicht aus. Die Bilder Ihrer Patenkinder stellen wir ins Internet, damit ich sie nicht einzeln verschicken muss.
Das spart Papier und Porto und Sie können selbst ausdrucken oder speichern, was für Sie interessant ist.
Abschließend möchte ich noch eine Bitte an Sie richten: Da wir durch das Wachstum des Dakini-Netzwerks und durch die Ausgaben für Vertrauensleute vor Ort zusätzliche Kosten haben, würden wir uns über ein paar mehr Mitglieder freuen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf € 60,-. Da wir die Gelder der Paten – die ja keine Mitglieder sein müssen - uneingeschränkt an die Begünstigten ausbezahlen, haben wir nur einen begrenzten finanziellen Puffer.
Meine nächste Nepalreise ist Mitte Dezember geplant. Wir möchten Sie bitten, die Post und ggf. Taschengelder noch vor Ende November auf den Weg zu bringen.
Kassensturz und Überweisung erfordern immer einen gewissen Vorlauf.
Im Namen aller Patenkinder möchten wir Ihnen für Ihre Unterstützung danken! Juli 2010
Ergänzungsbericht
In Dharamsala traf ich Tenzin Yangzoms jüngsten Bruder Tsering wieder. Er kam vor 3 Jahren mit der Mutter und dem älteren Bruder, der geschiedenen Schwester Sonam und ihren beiden Söhnen aus Amdo nach Indien, um S.H. den Dalai Lama zu sehen und die Schwester in Indien zu besuchen. Sonam und ihre Kinder und auch Tsering blieben in Dharamsala, während die anderen nach Hause zurück kehrten.
Tsering hatte in Lhasa ein Studium an der Kunstakademie absolviert und war fest entschlossen, sich als frei schaffender Künstler durchzuschlagen. Auf meinen dringenden Rat hin versuchte er sich in einer Thanka-Malschule, aber diese Art des Malens entsprach ihm so gar nicht. Wie auch seine beiden Schwestern ist er ein sehr hartnäckiger und eigenwilliger Charakter. Er stellt mit anderen jungen tibetischen Malern in einer kleinen Galerie für moderne Kunst in Dharamsala seine ausdrucks-starken Ölgemälde aus. Seine Motive sind Menschen aus seinem Kulturkreis. Er möchte einen Eindruck von dem Lebensgefühl seines Volkes, der tibetischen Nomaden, vermitteln. So lebt er unter äußerst bescheidenen Verhältnissen und versucht, seinen beiden Schwestern finanziell nicht zur Last zu fallen. Vielleicht hat jemand von Ihnen eine Idee, ob und wie man ihm zu einem Stipendiat an einer Kunstakademie in Deutschland verhelfen könnte. Ich halte den jungen Mann für sehr begabt.
Sie bezeichnet sich selbst als „einfaches Mädchen vom Lande ohne Bildung“ ( eine Untertreibung, wie sie für die tibetische Kultur typisch ist). Von ihrer Abstammung her ist sie Khampa, und sie wuchs in der Nähe von Chamdo in einem Dorf auf. Sie war schon als Kind „besonders“, stellte Fragen nach dem Sinn und wollte wissen, warum die Dinge sind, wie sie sind. Durch verschiedene merkwürdige Umstände, die man nur als Fügung verstehen kann, kam sie 1994 nach Indien, um S.H. den Dalai Lama zu sehen. Durch eine schwere Erkrankung und andere Hindernisse wurde ihr jedoch lange Zeit keine Audienz gewährt (die sonst alle Flüchtlinge ganz selbstverständlich erhalten) und sie wollte bereits aufgeben und entmutigt nach Hause zurückkehren. Da gelang ihr aber, sich in eine öffentliche Veranstaltung mit Seiner Heiligkeit „einzuschleichen“ und damit kam der Durchbruch. Sie brach bewusstlos zusammen, als sie Seine Heiligkeit sah, überwältigt von seiner kraftvollen Ausstrahlung, die sie als reines Licht wahrnahm. Ihre Fähigkeit, als Orakel zu fungieren manifestierte sich daraufhin und
Seine Heiligkeit bestand darauf, sie zu sehen. Das war der Anfang einer stürmischen Entwicklung. Khandro la lernte im Alter von 20 Jahren lesen und schreiben, begann religiöse Texte zu lesen und zeigte auf Anhieb ein tiefes Verständnis für den Dharma (die Lehre des Buddha), wie es sonst erst durch langjähriges Studium erworben wird. Sie selbst meint dazu, sie „liebe den Dharma“ („I am fond of Dharma“)
und indirekt ausgedrückt, sie können wohl auf Vorerfahrung aus früheren Leben zurück greifen. Es sei nötig, sich mit den Schriften auseinander zu setzen, denn die Praxis der liebenden Güte in ihrer reinsten Form erfordere die Kenntnis der intellektuellen Grundlagen für diese Haltung. „Wie ein Vogel zwei Flügel braucht, um zu fliegen,“ fügt sie hinzu. Das „abhängige Entstehen“ ist eines ihrer Lieblingsthemen und ihre Belehrungen entwickeln eine Eigendynamik, während sie voll Begeisterung spricht, über die sie selbst lachen muss. Durch unser ethisches Verhalten schaffen wir die Voraussetzungen, ein immer tieferes Verständnis des Dharma zu erwerben und den Segen unserer Lehrer fruchtbar werden zu lassen. – Damit ist für mich der Moment gekommen, Khandro la um eine sehr konkrete Unterstützung unserer spirituellen Entwicklung zu bitten. Ich habe erfahren, dass sie in Tibet einen Bruder hat, der als einfacher kleiner Landwirt 9 Kinder zu versorgen hat. Eine Tochter ist bereits im TCV Gopalpur (bei Dharamsala). Sie heißt Dhundup Tsomo und ist 13 Jahre alt. Sie geht in die 6. Klasse. Und ihr jüngerer Bruder, Tenzin Choezom, soll in der nächsten Zeit (so bald wie irgend möglich) nach Indien kommen.
Wenn wir durch unser Dakini Netzwerk Sponsoren für diese Kinder finden, können wir Großzügigkeit und freudigen Eifer praktizieren und damit die Grundlage für eine segensreiche Entwicklung schaffen. Khandro la ist bereit, sich darauf einzulassen und findet es sehr amusant, dass wir unsere Aktivitäten als „Dakinis“ (das Sanskrit-wort für tibetisch „Khandro“) ausführen. Nun hoffe ich darauf, dass sich jemand angesprochen fühlt, diese Chance zu ergreifen!
Als letztes möchte ich von dem kleinen Nga Yeshe Shoonon Rinpoche berichten, der in Bir in einem Sakya Kloster unterrichtet wird. Er kam erst vor knapp zwei Jahren aus Tibet. Sein zwei Jahre älterer Bruder Nyagton Rinpoche lebt schon länger in Indien und zwar 6 Monate in Sikkim in der tibetischen Siedlung Ravengla und den Rest des Jahres in Dehradun im Umfeld S.H. Sakya Trizin. Er ist dem Lelung Kloster zuzuordnen, das wir durch das Dakini Netzwerk seit 4 Jahren unterstützen. Der „kleine Bruder“ feierte just an dem Tag meines Besuchs seinen
12. Geburtstag. Da ich am nächsten Tag abreisen musste, konnte ich leider an der Geburtstagsfeier nicht teilnehmen. Yeshe ist ein ganz besonderes Kind mit einer wunderbar sanften Ausstrahlung und einer ganz besonderen Schönheit. Er soll kein Mönch werden sondern seinen Lockenkopf behalten und später heiraten und Kinder in die Welt setzen, die seine Überlieferungslinie als spirituelle Lehrer fortsetzen. Ich wollte Ihnen diese Begegnung nicht vorenthalten, da sie mein Herz berührte.
Reisebericht Nepal Winter 2010/2011
Meine Weihnachts-Reise nach Nepal war geprägt von den anstehenden Veränderungen: Ich werde mir nämlich nur noch ein Mal im Jahr einen Flug nach Kathmandu und den entsprechenden Praxisausfall leisten können. Meine berufliche bzw. finanzielle Situation hat sich durch meinen Umzug nach Hamburg ein-schneidend geändert. Wir haben geplant, den Patenkindern im Sommer über Sonam, der Schwägerin von Ani Jangsem (die Oberin des Kopan Nunnery), die auf unserem Konto eingegangenen Spendengelder auszahlen zu lassen. Es war mir ein Anliegen, Sonam klar zu machen, wie wichtig es uns ist, den begünstigten Familien, Kindern, Jugendlichen und alten Menschen nicht nur finanziell, sondern mit Rat und Tat beizustehen und sich um eine angemessene Nutzung der Sponsorengelder zu kümmern. Ani Jangsem wird auf Seite der Nonnen und Tibeter, unser Klinikchef Sangye Tenzin für die Nepalesen die Supervision übernehmen. Während meines jetzigen Aufenthalts haben weitgehend Sonam und ich gemeinsam das Geld verteilt. Der Hinterhof des Nachbarhauses, wo Sonam und ihre Familie lebt, bot sich als „Freiluftoffice“ an.
Sie erinnern sich vielleicht, das ich ursprünglich nach Solokhumbu fliegen wollte.
Diese Tour wurde abgesagt, weil die Temperaturen zu extrem waren. Der Besuch des Geländes, auf dem ein spirituelles Heim für die bedürftigen alten Menschen dieser abgelegenen Gebirgsregion errichtet werden soll, wurde verschoben. Statt dessen zeigte uns Sangye, der Projektleiter und Bruder von Lama Zopa Rinpoche, einen Dakini-Tempel in Suyambunath und das silberne Buch, das von Manjushri selbst verfasst worden sein soll und in Kathmandu als großes Heiligtum aufbewahrt wird. Nur eine begrenzte Zahl von Besuchern darf es zu eingeschränkten Zeiten bewundern.
Die Zeit meines Aufenthalts in Kopan war geprägt durch die nächtlichen Belehrungen
von Lama Zopa Rinpoche verbunden mit der Übertragung des „Sutras vom Goldenen Licht“. Der Schlaf kam dadurch zu kurz, denn am Morgen hieß es trotzdem um 5 Uhr aufstehen, um an der gemeinsamen Morgenpuja teilzunehmen. Es war eine inspirierende, aber auch erschöpfende Erfahrung, ich fühlte mich tagsüber wie in Trance. Spiritueller Höhepunkt war die Einweihung in den weißen Heruka, ein Ritual zur Unterstützung der Lebenskraft und der Beseitigung von Hindernissen. Anlass hierfür war leider die Erkrankung von Khenrinpoche Lama Lhundrup, der unter ernsten Störungen im Magen-Darm-Trakt leidet. Es wurde sogar kurzfristig eine Reise nach Singapur zu einem medizinischen Checkup anberaumt.
Trotz seines bedenklichen Gesundheitszustands ließ es sich Khenrinpoche nicht nehmen, der Eröffnung des fünftägigen Examens der „Nepal Buddhist Gelupa Assosiacion“ teilzunehmen. Es handelt sich hierbei um eine neue, Klöster übergreifende Prüfungsordnung für die Studenten der buddhistischen Philosophie. Sehr erfreulich fand ich, dass bei diesen Prüfungen zwischen Nonnen und Mönchen kein Unterschied gemacht wurde, was bislang keine Selbstverständlichkeit war.
Erstaunliche Neuerungen gab es auch in Bezug auf soziale Aktivitäten der Mönche.
Eine Truppe von acht Freiwilligen reiste nach Okladungha, einem Randgebiet Nepals, und verteilte 80 Solarlampen (es gibt dort noch keine Elektrizität) in den Haushalten. Darüber hinaus malten sie das neu errichtete Schulgebäude für die Dorfkinder aus. Ich habe den Eindruck, dass dieser „soziale Einsatz“ durch den Kontakt mit dem Westen und der christlichen Tradition der praktizierten Nächstenliebe zustande kam. Ich finde das eine sehr erfreuliche Entwicklung, ein Zeichen gegenseitiger Befruchtung der Kulturen.
Weiniger positiv ist die immer noch sehr labile politische Lage in Nepal, die explosionsartig steigenden Lebensmittelpreise (1kg Äpfel umgerechnet 2€ /
kein Touristenpreis!) und die eingeschränkte Stromversorgung (11 Stunden am Tag gibt es keine Elektrizität!) Das beeinträchtigt natürlich das alltägliche Leben erheblich.
Die Kommunikationsmittel wie PC und Fax sind nur begrenzt einsatzfähig, wenn man nicht selbst Strom erzeugen kann oder einen „Konverter“ besitzt. (Das ist ein Gerät, das Strom speichert, um ihn bei Bedarf später abzugeben.) Ich war sehr überrascht, elektrische Haushaltsgeräte (Staubsauger, Waschmaschinen etc.), in Privat- haushalten zu sehen. Es wird weiter in einem geradezu beängstigendem Tempo gebaut, stattliche Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden und man fragt sich, wie die Versorgung mit Wasser und Elektrizität, die Entsorgung des Mülls (die es nicht gibt, die aber dringend erforderlich wäre!) klappen soll. Das Jahr 2011 wurde zum „Tourismusjahr“ erklärt und man erwartet von offizieller Seite eine Million Besucher aus dem Ausland. Selbst das umfassende finanzielle Engagement Chinas kann die Löcher im öffentlichen Haushalt zum Aufbau der Infrastruktur nicht stopfen!
Überraschend war die Situation im TRC (Tibetan Reception Center), wo sich etwa 200 Flüchtlinge (darunter 15 Kinder) tummelten. Ein Teil von ihnen wird nach einer Pilgerfahrt nach Indien zu S.H. dem Dalai Lama nach Tibet zurück kehren, die anderen werden in Indien bleiben, um ein neues Leben in politischer Freiheit zu beginnen. Die chinesische Regierung hat in diesem Winter großzügig Visa vergeben und die nepalesische Regierung stellt dem Weitertransport nach Indien keine Hindernisse entgegen. Regelmäßig gehen Busse mit etwa 40 Leuten vom TRC nach Delhi und von dort nach Dharamsala.
Die Mitarbeiter des TRC erwarteten meinen Besuch als Vertreterin des Dakini-Netzwerks mit großen Hoffnungen, denn einige von ihnen haben großen Bedarf an finanzieller Unterstützung für ihre Kinder. Ich habe ihnen versprochen, ihre Bewerbungen nach meiner Rückkehr nach Deutschland auf unsere Homepage
zu stellen.
Eine große Freude bereitete mir der Besuch von Namdroel, die so schwer an Tuberkulose erkrankt ist, dass sie sich bislang kaum auf den Beinen halten konnte. Ihr Gesicht wirkt voller, sie spricht mit der Stimme einer Erwachsenen (während sie früher nur hauchen konnte) und sie kann wieder mit Appetit essen. Den Umschwung brachte die Behandlung mit einem sehr potenten (und teuren) Antibiotikum kombiniert mit der Umstellung des Tuberculostaticums. Ihre frühere Tutorin in der Krankenschwesternausbildung kennt eine Ärztin in einer der westlichen Kliniken in Kathmandu und sie veranlasste die neue Behandlungsstrategie. Nun können wir darauf hoffen, dass Namdroel in einem halben Jahr wieder auf den Beinen sein wird und um eine Ausbildung als Lehrerin zu beginnen. Das ist jetzt ihr Ziel.
Die Kopannonne Choekyi mit ihrer Lungenspitzentuberkulose hat es dagegen nicht geschafft. Sie ist in Tibet im Kreise ihrer Familie ihrer Krankheit erlegen.
Abschließend möchte ich Ihnen noch von unserem alt bekannten Ehepaar Ama Dawa (66 Jahre) und Pala Pendo (75Jahre) berichten. Seit ihr Grundauskommen durch eine Patenschaft über das Dakini-Netzwerk gesichert ist, gehen sie mit großer Hingabe auf Pilgerreisen, um an heiligen Orten für ihre Patin, das Dakini-Netzwerk und alle Wesen zu beten. Sie scheuen keine Strapazen. Um die Reisekosten möglichst gering zu halten, zwängen sie sich in überfüllte Jeeps, ausgestattet mit ihrer Thermoskanne und ihrem Zelt. Unterwegs werden sie oft von Bekannten und Freunden verpflegt und grundsätzlich brauchen sie nicht mehr als ihr Tsampa mit Buttertee. So sind sie auch dies Mal wieder erfüllt und heiter aus Tibet zurück gekommen, strahlend vor Zufriedenheit, trotz mancher körperlicher Gebrechen.
Hiermit beende ich meinen Bericht und hoffe, Ihnen ein wenig von den vielfältigen und inspirierenden Eindrücken vermittelt zu haben.
Im Namen aller unserer großen und kleinen Patenkinder möchten wir Ihnen für Ihre Unterstützung danken und Ihnen versichern, dass Gebete und gute Wünsche in Hülle und Fülle für Sie zum Himmel gesandt werden. Möge das neue Jahr Ihnen viel Glück und Segen bringen und all Ihre Pläne sich verwirklichen lassen. Mögen Sie immerzu Gesundheit Zufriedenheit, Wohlstand und innere Ruhe erfahren.
Im Namen des Dakini-Teams
Ihre
Eva Anderson

